Am 29. Dezember 2024 fing Jeju Air Flug 2216 am internationalen Flughafen Muan in Südkorea Feuer. 179 der 181 Menschen an Bord kamen ums Leben, was es zu einer der tödlichsten Flugkatastrophen des Jahrzehnts machte. Ermittler fanden eine Lithiumbatterie im Frachtraum — wo Powerbanks schon immer verboten sind — als wahrscheinliche Zündquelle. Die Katastrophe löste eine der schnellsten regulatorischen Reaktionen der jüngeren Luftfahrtgeschichte aus.
Was geschah: Der Air-Busan-Brand
Das Flugzeug war eine Boeing 737-800, betrieben von Jeju Air (in frühen Berichten aufgrund anfänglicher Verwechslung manchmal als „Air Busan“ bezeichnet). Das Feuer begann in oder nahe dem Frachtraum während der Landephase. Rettungsdienste waren innerhalb von Minuten vor Ort, aber das Feuer breitete sich schnell durch den Rumpf aus. Die meisten Todesfälle resultierten aus dem Brand, nicht aus dem Aufprall.
Südkoreas Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport (MOLIT) leitete sofort eine Untersuchung ein. Vorläufige Ergebnisse deuteten auf eine Lithiumbatterie im aufgegebenen Gepäck hin — ein Gegenstand, der gemäß IATA-Regeln seit Jahren im aufgegebenen Gepäck verboten ist. Der Vorfall legte Durchsetzungslücken offen und veranlasste MOLIT, auch bei Handgepäck-Powerbanks zu handeln, obwohl diese Risikokategorie als geringer eingestuft wird.
Korea JoongAng Daily — Berichterstattung zur MOLIT-Ankündigung
Die neuen Regeln (gültig ab März 2025)
Südkoreas MOLIT erließ Vorschriften für alle Inhaber eines koreanischen Luftfahrtbetreiberzeugnisses (AOC), gültig ab März 2025:
- Keine Powerbanks in Gepäckfächern über dem Sitz. Powerbanks müssen unter dem Vordersitz in einer persönlichen Tasche aufbewahrt werden. Sie müssen jederzeit sichtbar und für die Kabinenbesatzung zugänglich sein.
- Keine unbeaufsichtigten Powerbanks. Wenn ein Passagier seinen Platz verlässt, sollte die Powerbank in der persönlichen Tasche unter dem Sitz bleiben — nicht auf dem Sitz oder im Gepäckfach liegen gelassen werden.
- Keine beschädigten, aufgeblähten oder sichtbar defekten Powerbanks. Die Besatzung ist angewiesen, Powerbanks zu inspizieren, die aufgebläht, ungewöhnlich warm oder physisch beschädigt erscheinen. Solche Geräte werden beschlagnahmt.
- Keine Powerbanks im aufgegebenen Gepäck. Dies war gemäß IATA-Regeln bereits verboten, aber Südkorea hat die Durchsetzung nach dem Vorfall ausdrücklich verstärkt.
Welche Airlines sind betroffen?
Diese Regeln gelten für alle Fluggesellschaften mit einem koreanischen AOC, darunter:
- Korean Air
- Asiana Airlines
- Jeju Air
- Jin Air
- Air Seoul
- T'way Air
- Eastar Jet
- Air Busan (trotz des gleichen Namens in frühen Berichten ist dies eine separate Fluggesellschaft mit Sitz in Busan)
Die Regeln gelten auch auf internationalen Strecken dieser Fluggesellschaften, nicht nur auf südkoreanischen Inlandsflügen.
Wie sich diese Regeln mit anderen Ländern vergleichen
Südkoreas Reaktion gehört zu den spezifischsten weltweit. Die meisten Länder folgen den IATA-Basisregeln ohne zusätzliche Aufbewahrungsvorschriften. Im Vergleich dazu:
- Die USA (FAA/TSA) verlangen Powerbanks im Handgepäck, schreiben aber nicht vor, wo in der Kabine sie aufbewahrt werden müssen.
- Die EU (EASA) verweist ebenfalls auf die IATA-Handgepäckanforderungen ohne Gepäckfach-Einschränkungen.
- China hat eine Zertifizierungspflicht (CCC-Zeichen) eingeführt, aber keine Aufbewahrungsbeschränkung.
- Singapore Airlines und Cathay Pacific haben die Nutzung während des Fluges verboten, aber kein Gepäckfach-Verbot verhängt.
Südkoreas Anforderung, Powerbanks sichtbar aufzubewahren, wird von Flugsicherheitsexperten als eine der operativ bedeutsamsten Änderungen angesehen — sie stellt sicher, dass die Besatzung eine Fehlfunktion des Akkus sofort erkennen kann.
Praktische Tipps für Flüge mit koreanischen Airlines
- Packen Sie Ihre Powerbank in Ihren persönlichen Gegenstand (kleinere Tasche, die unter den Sitz kommt), nicht in Ihr Haupthandgepäck, das ins Gepäckfach kommt.
- Bewahren Sie sie sichtbar auf — vergraben Sie sie nicht am Boden Ihrer Tasche. Eine Seitentasche ist ideal.
- Legen Sie sie nicht in die Sitztasche. Die Kabinenbesatzung wird Sie bitten, sie umzulegen.
- Die Standard-Größenlimits gelten weiterhin: Unter 100 Wh keine Genehmigung erforderlich, 100–160 Wh erfordern vorherige Genehmigung, über 160 Wh ist verboten.
- Packen Sie niemals eine Powerbank ins aufgegebene Gepäck, unabhängig von Airline oder Land.
Sources: Korea JoongAng Daily · Reuters · IATA Lithiumbatterie-Leitfaden